Tastentrommler für Herz und Seele

Schächer Schlegel Schächer Schlegel

Alexander Schlegel und Daniel Schächer verschmelzen Klavier und Schlagwerk – Auftritt bei Synergiefestival
Bericht von Jürgen Leykamm – TREUCHTLINGEN (ley) –
Wer die Musik dieser beiden hört, der braucht nicht einmal die Augen zu schließen, um sich dazu auf eine innere Reise zu begeben. Sie geschieht tagtraumartig ganz von selbst. Dabei bleibt man nicht unbedingt am Boden, denn die Klänge von Alexander Schlegel und Daniel Schächer verleihen der Seele Flügel. Im Saal der Landeskirchlichen Gemeinschaft Treuchtlingen (LKG) stellte das Duo seine Erstlings-CD namens „Listen!“ vor.
Wer den Auftritt verpasst hat, kann nun entweder zum Silberling greifen oder am kommenden Sonntag, 06. Mai 2018, das Synergiefestival in der Altmühlstadt besuchen. Dort sind die beiden um 13.15 sowie um 14 Uhr auf der Rathausbühne mit Kurzauftritten zu erleben. Bei ihrem Konzert im Gemeinschaftssaal wissen die beiden sich gekonnt ihren Weg zum Inneren der fast 80 Besucher zu bahnen. Besonders beeindruckt das herrliche Zusammenspiel der beiden Instrumente: Klavier und Schlagzeug. Eine ungewöhnliche Mischung, die außergewöhnlich gut funktioniert. Der aus Nürnberg kommende, freiberufliche Musiker und Komponist Alexander Schlegel verfügt über ein beeindruckendes Gespür für Melodien und Harmonien, die er beide förmlich aus sich herausfließen lässt. Bereichert vom aus Treuchtlingen stammenden Schlagzeuglehrer Daniel Schächer, der über reichlich Band- und Studioerfahrung verfügt. Seinem Einfallsreichtum am Schlagwerk zuzuhören, ist eine wahre Freude, fernab aller einförmigen Chartbeats. Er schafft es kongenial, das Tastenspiel seines Kollegen nicht nur zu begleiten, sondern den Rhyhtmus in seinen Feinheiten aufzugreifen und zu veredeln. Heraus kommt eine Melange, die bis ins letzte Achtel punktgenau wie ein Puzzle zusammenpasst. Und vor allem Assoziationen zur Natur weckt. Das legen auch die Stücke nahe. Sie heißen „Wind“ (der auch als solcher zu hören ist), „Wasserfall“ oder „Die Ruhe vor dem Sturm“ (allesamt auf englisch). Beim Werk „Schüchtern“ wird es richtig lautmalerisch – Schächer scheint förmlich an der Tür eines Menschen zu klopfen, der sich weltverdrossen in seine vier Wände verbarrikadiert hat. Während Schlegel mit seinem Tastenspiel neue Hoffnung einflößen will. Immer wieder gibt es besinnliche Passagen nur aus Klavierklängen zu hören, oft ist es nur der Jazzbesen, der umsichtig in der Stille rührt und sie lebendig macht. Auch am Cajon versteht der Schlagwerker zu glänzen. Bei den schnellen, oft dramatisch klingenden Tastenläufen kann er sich dann so richtig austoben. Die Synchronität der beiden beeindruckt dabei stark. Als Zugabe erklingt im LKG-Saal der absolut verlockende Titel „Freiheit“ – „mein Lieblingsstück“, verrät Schlegel. Wohl nicht nur von ihm. Es hat einfach alles, was eine schön zu genießende Komposition braucht: Von der markanten Tonfolge, die sich sofort im Ohr verhakt, bis zum anspruchsvollen Mittelteil. Und etwas Tröstliches, was aber eigentlich ein Markenzeichen der gesamten CD ist. Als in Treuchtlingen die letzten Töne verhallen, erklingt ein Babylachen – „musique concrete“ in ihrer schönsten Form. Nach dem Signieren verrät Schlegel, wie es weiter gehen könnte. Vielleicht bereichern ja bald einmal weitere Instrumente das Duo: „Einen Streicher könnte ich mir gut vorstellen“. Langfristig spielt er mit den Gedanken, an Filmmusiken zu arbeiten. Kopfkino.